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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2005, Nr. 148 / Seite N3,
Geisteswissenschaften, Autorin: Kristina Deutsch
Die Mailingliste "H-ArtHist" vernetzt graduierte Kunst- und
Kulturhistoriker, fortgeschrittene Studenten und wissenschaftlich
Interessierte und gehört zum H-Net, das als ein Teil von "Matrix", dem
Online-Zentrum für die Geistes- und Sozialwissenschaften an der Michigan
State Universität einhundert Mailinglisten und Websites betreut. In
Deutschland umfaßt dieser internationale und interdisziplinäre Verbund
noch vier weitere Mailinglisten: H-Germanistik, H-Dritter-Sektor (Theorie
und Realität des europäischen Non-Profit Sektors), H-Museum und
H-Soz-u-Kult (Fachinformation und Kommunikation für die
Geschichtswissenschaften).
Die mittlerweile knapp 4000 Subskribenten der
kunsthistorischen Sektion finden täglich elektronische Nachrichten vor,
die sich aus Rezensionen zu Fachpublikationen, Hinweisen auf Tagungen,
Aufrufen für Veröffentlichungen und Stellenanzeigen zusammensetzen. Diese
werden im Archiv verwahrt und bleiben unter www.arthist.net auch
Nicht-Subskribenten zugänglich. Ergänzt wird das Angebot durch eine
Verlinkung mit kunsthistorisch relevanten Bibliotheken, Instituten,
elektronischen Datenbanken und Netzwerken.Die redaktionelle Arbeit leisten
neun Kunsthistoriker. Mehr ideell als materiell unterstützt wird die
Redaktion von einem Beirat, in dem Hans Belting, Horst Bredekamp, Werner
Busch und Heinrich Dilly vertreten sind. Die Zuständigkeiten der
Redakteure werden entsprechend der jeweiligen Forschungsinteressen
verteilt; (...).
Wieder ein Fortschritt durch Technik
Neue Mailing-Liste hilft Kunsthistorikern
Berliner Zeitung, 08.02.2001, Feuilleton, Autor: Jens Balzer
Eine neue elektronische Mailing-Liste will Kunsthistorikern bei der internationalen Zusammenarbeit helfen. "H-ArtHist", seit dem 1. Januar im Netz, umfasst Tagungshinweise, "Calls for Papers" und Rezensionen von Ausstellungen, Vorträgen, Büchern und Artikeln; wer die Liste subskribiert, kann aber auch bei den anderen Listenteilnehmern um fachliche Unterstützung bei der Literatur- oder Quellenrecherche nachfragen - oder, ganz praktisch, um Unterkunftsmöglichkeiten während eines Praktikums oder Stipendiums.
"H-ArtHist" gehört zur wachsenden Familie der "H-Nets", die ursprünglich an der Michigan State University initiiert wurden, inzwischen aber weltweit betrieben werden: in weit über einhundert Listen von A wie "Afrikanische Kultur" ("H-AfrArts") über M wie "feministische Militärgeschichte" ("H-Minerva") bis W wie "Weltgeschichte" ("H-World"). "H-ArtHist" wird von fünf deutschen Forschern moderiert und gepflegt: Matthias Bruhn (Warburg-Haus Hamburg), Rainer Donandt und Iris Mahnke (Universität Hamburg), Joachim Homann (ZKM Karlsruhe) und Claudia Sedlarz (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften).
Zwar lässt der Beirat zur Liste (u.a. Hans Belting, Werner Busch und Heinrich Dilly) auf eine eher konservative Ausrichtung schließen. Doch waren in der Praxis der ersten fünf Wochen die Themenfelder und Modernitätsgrade gut gemischt: von der Kunstgeschichte der Renaissance bis zu den neuesten Visual Studies. (bal.)
Information und Subskription unter www.arthist.net
Sternstunden für den Ikonologen
Rembrandt goes Internet: Mit "H-ArtHist" hat die Kunst- und Kulturwissenschaft ihre erste Non-Profit-Homepage
taz, Nr. 6366 vom 7.2.2001, Seite 14, 152 Zeilen
TAZ-Bericht PETRA WELZEL
Das Nette am Internet ist, dass es gelegentlich wie ein Treppenhaustratsch funktioniert: Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Oder zum Sex. Wo früher Bilder nackter Damen unterm Tisch kursierten, schaut man heute im Netz nach entsprechenden Links zu toleranten Webcams. Allein solche gesellschafts- und kulturhistorischen Entwicklungen, die nun Digitalbilder produzieren, wären daher für Kultur- und KunstwissenschaftlerInnen Anlass genug, sich mit dem Medium Internet auf seinem eigenen Terrain auseinander zu setzen.
Die besten Voraussetzungen, diesbezüglich gleich zwei Stufen mit einem Schritt zu nehmen, bietet die erste spezielle Homepage für KunsthistorikerInnen und KulturwissenschaftlerInnen. Unter der Adresse www.arthist.net ist eine Seite ans Netz gegangen, die sich als Diskussionsforum versteht und qua Elektronik "direkt und umstandslos" Plattform für aktuelle Forschungsfragen sein möchte. Aber auch für Rezensionen zu Ausstellungen, Büchern und Kongressen, bei denen bisher Magazine wie die kritischen berichte oder auch Texte zur Kunst für die Popfraktion unter den KunstwissenschaftlerInnen nur nachziehen konnten - während die Themen in den Feuilletons längst verhandelt und die Ausstellungen abgebaut sind.
Dass man sich bei "ArtHist" zunächst nicht mit der Bilderwelt im Netz, geschweige denn Cyberpornografie beschäftigen wird, liegt in der Natur der Kunstwissenschaft: Alles Neue und Nackte wird nur dann wahr und ernst genommen, wenn es sich ikonografisch in Religion oder Mythologie oder die entsprechende Folgegeschichte verpacken lässt. Tatsächlich verspricht die Namenliste des so genannten wissenschaftlichen Beirats der Seite zwar Kunstgeschichte der unterhaltsameren Art, aber eben doch kanonisierte Wissenschaft aus dem universitären Elfenbeinturm.
Die unter anderen von Hans Belting und Heinrich Dilly 1986 herausgegebene "Einführung in die Kunstgeschichte", die mit Kapiteln zum sozialgeschichtlichen und feministischen Ansatz immerhin auch Ränder des Fachs abdeckt, wird noch heute jedem Erstsemester ans Herz gelegt. Und daran wird auch das Netz nicht viel ändern: Bisher haben Belting und Dilly nicht mehr als ihren guten Namen für die Seite zur Verfügung gestellt. Nur der niederländische Kunsthistoriker und Rembrandt-Experte Gary Schwartz beteiligt sich als Beirat aktiv an dem Netzprojekt. "Er macht immer wieder Vorschläge, wie man die Seite verändern und noch verbessern kann", sagt Claudia Sedlarz, eine der fünf jungen KunstwissenschaftlerInnen und Mitinitiatorin der Seite. Sie moderieren die Diskussionen und betreuen die Seite redaktionell.
Dort empfängt einen zunächst eine lesende Frau, die sich an den Buchstaben H von ArtHist anlehnt, in einem großen vierfarbigen Bilderrahmen. Nur links im Hintergrund schimmert schwach ein Gemälde. Die Beine der Lesenden werden vom Untertitel "kunstgeschichte im h-net" abgeschnitten, der Rest des Bildes bleibt weiß und unvollendet. Der Rahmen beginnt sich erst zu füllen, wenn man ihn auf seinen vier Segmenten "Information", "H-ArtHist", "Sammlung" und "Forum" anklickt.
In den Bereichen "Information" und "ArtHist" erfährt man dann, dass H-ArtHist dem Äitsch-Net (H-Net) angehört, einem an der Michigan State University in den USA gegründeten Netzverbund von geisteswissenschaftlichen Listen aus dem Non-Profit-Bereich. Durch das H-Netz, das zur Zeit mehr als 90 wissenschaftliche Mailinglisten weltweit unterstützt, wird auch die E-Mail-Liste des H-ArtHist bereitgestellt. Hier zeichnen Kultur- und KunsthistorikerInnen und Studierende gegen, die zukünftig per Datensätze über ihr Fach diskutieren oder einfach nur informiert sein wollen.
Darüber hinaus wächst im "Forum" das Archiv der Beiträge und eine Nachrichtenbörse. Selbst das Monatshoroskop für KunsthistorikerInnen hat dort als mögliche Kolumne seinen Platz: Die könnte zum Beispiel das erste Mal für Werner Busch, Professor für Kunstgeschichte an der FU Berlin, ebenfalls Beiratsmitglied und noch ohne eigenen Computer, in den Sternen lesen. Der hat nämlich noch keine Ahnung, worum es bei der neuen Netzunternehmung wirklich geht: "Aber wenns passiert, kann ich vielleicht was dabei lernen!", sagt er. Und was sagen die Sterne? Vielleicht, dass es sich um mehr handelt als um Kunstwissenschaft nach Daten. Dass sich auch für den Professor im Netz ungeahnte Bilderwelten und Themen eröffnen - wenn er sich mal drin verläuft. PETRA WELZEL
taz Nr. 6366 vom 7.2.2001, Seite 14, 152 Zeilen
TAZ-Bericht PETRA WELZEL
© Contrapress media GmbH
Kunstgeschichte
per E-Mail
Auch die
Kunstgeschichte hat die neuen Möglichkeiten des Internets als Kommunikations-
und Publikationsmedium entdeckt. Ein neues Projekt zählte gleich in der ersten
Woche 500 Anmeldungen.
Netzzeitung, 20. Jan 2001
05:57
BERLIN.
«So ein Schnickschnack!», wird sich manch ein Kunsthistoriker der alten Schule
gedacht haben, als er dieser Tage den Hinweis auf eine gerade online gegangene
akademische Mailingliste für Kunstgeschichte erhielt, die den ein wenig
seltsamen Namen «H-ArtHist» trägt. Fortschrittlicheren Gemütern wird sie
sich dadurch als ein Sprössling des US-amerikanischen H-Nets zu erkennen
gegeben haben, das von der Michigan State University ausgeht und einen
internationalen Verbund der Geisteswissenschaften («Humanities») in Form
elektronischer Netzwerke bildet.
Zurzeit
betreut das 1992 ins Leben gerufene H-Net mehr als einhundert nichtkommerzielle
Mailinglisten nebst dazugehörigen Websites, die sich - meist auf Englisch - mit
den unterschiedlichsten Disziplinen der Sozial- und Geisteswissenschaften beschäftigen.
Sie alle dienen dem Ziel, den wissenschaftlichen Austausch via Internet über
die Landesgrenzen hinweg zu befördern.
500
Anmeldungswünsche in der ersten Woche
In
Berlin residiert an der Humboldt-Universität bereits seit ein paar Jahren «H-Soz-u-Kult»,
die sich der neueren Sozial- und Kulturgeschichte widmet und mittlerweile mehr
als 3.700 Abonnenten zählt. Davon ist H-ArtHist zwar noch weit entfernt, doch lässt
sich das am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg angesiedelte
Projekt sehr hoffnungsvoll an. In der ersten Woche waren bereits an die fünfhundert
Anmeldungswünsche zu verzeichnen. Ein Drittel davon kam zur Freude der
Listenbetreiber aus den USA. Sie alle werden sich in Zukunft per E-Mail über
fachliche Fragen und Probleme einer möglichst weit gefassten Kunstgeschichte
austauschen können, Rezensionen relevanter Bücher und CD-Roms, Tagungsankündigungen
sowie Tagungsberichte erhalten, wie auch über Stellenausschreibungen und neue
Forschungsprojekte informiert werden.
Die über die
Liste an die Abonnenten verteilten E-Mails werden in dem dazu gehörigen
Webforum «Arthist.net» archiviert und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
Dort existieren auch umfangreiche Linksammlungen, die Zugang zu weiteren
Fachinformationen bieten, aber auch die Adressen von einschlägigen Bibliotheken
und Forschungseinrichtungen bereit halten. Arthist.net will damit eines der
zentralen Portale in die virtuell basierte Kunstgeschichte sein.
Geschlossenheit
im Gegensatz zu Newsgroups
Genommen
wird bei H-ArtHist aber längst nicht jeder: Wer an der Mailingliste teilnehmen
möchte, muss auf der Website ein Anmeldeformular ausfüllen und sollte einen
akademischen Abschluss nachweisen können. Für Studenten in der Examensphase
macht man eine Ausnahme, wenn sie einen betreuenden Professor ihr Eigen nennen.
Die im Internet nicht gern gesehene Geschlossenheit der Liste soll den
wissenschaftlichen Charakter des Miteinanders gewährleisten und unterscheidet
sie damit grundsätzlich von den prinzipiell allen offenstehenden Newsgroups.
Desgleichen
gilt für den Umstand, dass die Mailingliste und die dazugehörige Website von
einer ehrenamtlichen Redaktion betreut und redigiert werden, was der Stringenz
der Diskussionen dienen und die Abonnenten vor Spam, also E-Mails kommerziellen
Inhalts, schützen soll. Ein wissenschaftlicher Beirat, in dem renommierte
Kunsthistoriker wie Hans Belting und Werner Busch versammelt sind, rundet das
ehrgeizige Unternehmen H-ArtHist ab. Von wegen Schnickschnack.
Für das Web ediert von Kai Michel

Pinselstrich-Analyse im Netz
Zwei neue Internet-Portale zur
Kunstgeschichte
Telepolis, 10.01.2001,
Aram Lintzel
"Durch
den Einsatz elektronischer Medien kann das Fach Kunstgeschichte zu einer
Verbesserung neuer Kommunikations- und Publikationsformen beitragen", heißt
es auf der kürzlich geschalteten Webseite von www.arthist.net
[0] Die formell an der Forschungsstelle Politische Ikonographie [1] ansässigen
Initiatoren sind aber nicht die einzigen Kunsthistoriker, die das Internet
neuerdings für den Forschungsaustausch einsetzen: Auch die im Aufbau
befindliche Seite www.portalkunstgeschichte.de
[2] versucht, die kunstgeschichtliche
Community zu erhöhter Online-Kommunikation anzureizen.
Als
wollten sie dem hartnäckigen Vorwurf der Behäbigkeit, demzufolge die
Kunstgeschichte ihre Medienkompetenz längst an neue Bildwissenschaften und
Visual Studies abgetreten habe, entgegentreten, gehen die Macher der beiden
Portale nun fast zeitgleich in die Offensive. "Die Kunstgeschichte hat in
den letzten Jahrhunderten Methoden zur Analyse von Kunstwerken entwickelt, die
heute auf ein wesentlich erweitertes Verständnis von Bild anwendbar sind.
Oftmals ist sich die Kunstgeschichte ihrer Kompetenz nicht bewusst und wenn wir
ihr Selbstverständnis stärken können, wäre das sehr willkommen", bestätigt
die ArtHist-Redakteurin Iris Mahnke diesen Eindruck.
Im Zentrum
der Bemühungen steht bei beiden Webseiten die Internationalität: Während
Arthist ein "internationales Portal der Kunstgeschichte" sein will,
versteht sich das Portal-Kunstgeschichte als "einheitliche internationale
Plattform für kunstgeschichtlich relevante Themen". Bescheidenes Ziel von
www.portalkunstgeschichte.de, das vom Verlag
und Datenbank für Geisteswissenschaften Weimar [3] initiiert und realisiert
wurde, ist es, zumindest zur "ersten Adresse für Kunsthistoriker im
deutschsprachigen Raum" zu werden. Bisher beschränkt sich das inhaltliche
Angebot jedoch auf einen tagesaktuellen Nachrichtendienst. Die
vielversprechenden Rubriken "Buch+Medien" und "Forschung"
(hier sollen in Zukunft relevante Projekte präsentiert werden) sind noch in
Bearbeitung - die Fortschritte lassen sich in einem aufschlussreichen
Änderungsprotokoll [4] nachlesen.
Was die
Interaktion betrifft, ist www.arthist.net augenscheinlich weiter. Redaktion und
Beirat setzen sich aus VertreterInnen verschiedenster nationaler und
internationaler Institutionen (vom Karlsruher ZKM
[5] bis zur Universität Princeton) zusammen - und auch für die externe
Kommunikation ist gesorgt. Denn www.arthist.net
soll nicht nur ein Portal mit
endlosen Linklisten (die gibt es zwar auch), sondern vor allem ein
"interuniversitäres, öffentliches, nicht-kommerzielles Kommunikations-
und Publikationsorgan" sein. Die Mailing-Liste "H-ArtHist" und
ein Webforum, in dem die Diskussionen der Mailing-Liste dokumentiert und
archiviert werden, bilden deshalb die Kernkomponenten der Seite. Doch obgleich
man "das herkömmliche Feld der akademischen Forschung" verlassen möchte,
bedarf es für die Teilnahme an den Diskussionen der redaktionellen Erlaubnis:
Ein Fragebogen klopft den Stand der wissenschaftlichen Karriere ab. Im Gegensatz
zu vielen anderen Online-Foren werden die akademischen Auswahlverfahren hier
also fortgesetzt, das Netz somit zum erweiterten Seminarraum. Immerhin kann man
seine Beiträge, vorausgesetzt sie sind erwünscht, auf Deutsch, Englisch, Französisch
oder Italienisch verfassen. Trotzdem: Gerade weil www.arthist.net mit einem
"weitestmöglichen Begriff der 'Kunst'" arbeiten und so "die
Bedeutung der bildlichen Tradition westlicher Kultur für eine gemeinsame
visuelle Umwelt kritisch untersuchen" will, wäre es doch ratsam, auch außerakademische
Experten des Visuellen (Webdesigner, Filmkritiker, freelancende Netztheoretiker
etc.) einzuladen. Die neuen Forschungsergebnisse, die sich ArtHist-Redakteurin
Iris Mahnke zu Fragen der technischen Reproduzierbarkeit, des elektronischen
Verschickens von Bildern und zu Copyrightproblemen erhofft, könnten so
sicherlich befördert werden. Bleibt also zu hoffen, dass sich die beiden
Portale um mehr kümmern als um "Beruf+Karriere" (so der Titel einer
Rubrik auf www.portalkunstgeschichte.de). Ihre Stellen kann sich die
Wissenschaftsgemeinschaft ruhig weiter offline zuschustern. Im Netz hingegen
sollte Akademia seine Portale weit öffnen, nur so lässt sich die
"Verbesserung neuer Kommunikations- und Publikationsformen" tatsächlich
erreichen.
Links
[0] http://www.arthist.net
[1] http://www.warburg-haus.hamburg.de
[2] http://www.portalkunstgeschichte.de
[3] http://www.vdg-weimar.de
[4] http://www.portalkunstgeschichte.de/Info/weblog/index.html
[5] http://www.zkm.de
Unermüdliche Eilboten für die
Mailbox
Wer sich im Internet über Kunst informieren will, hat heute die Qual der Wahl. Ein kleiner Streifzug.
Züritipp (Tagesanzeiger
Zürich), Dienstag, 03. September 2002
Von Barbara Basting
Auf die Boomjahre des Internet folgt die Ernüchterung. Das hat auch die Netzkunst zu spüren bekommen. Bis heute hat sie nicht jene umwälzende Wirkung auf die Entwicklung der Kunst genommen, die vor zwei, drei Jahren möglich schien. Die kommende Ars electronica firmiert vorsorglich unter dem Titel "Unplugged" - Stecker raus.
Aber die Netart-Adepten haben sich inzwischen Orte geschaffen, wo sie ihre Arbeit als experimentelle Praxis, als kreative oder kritische Auseinandersetzung mit dem Kommunikationsmedium Internet und dem Computer weiterführen. Aus diesen Enklaven sickert die Netzkunst in den normalen Kunstbetrieb ein. So integriert die aktuelle Documenta XI einige netzbasierte Arbeiten in ihre Ausstellung, ohne dass darum noch viel Aufhebens gemacht würde. Aber auch die Informationsmöglichkeiten über traditionelle Kunst im Internet sind zahlreich und reichen von der Museums-Homepage bis zu speziellen Dienstleistungen.
Schluss mit dem Zeitverlust
Dazu gehören E-zines, Mailinglisten, Newsletters als künstlerische wie wissenschaftliche Foren. Sie verdanken ihre Existenz dem Frust mit dem Zeitverlust beim Surfen. Nützliche oder gar originelle Konzepte bekommen den Zuschlag.
Bekannt unter professionellen Kunstinteressenten ist e-flux, ein 1999 von Künstlern gegründeter Service, der von New York aus über Kunstereignisse weltweit informiert. Inzwischen zählt e-flux über 33 000 Abonnenten, fast die Hälfte davon in den USA. Für sie sind die Newsmails kostenlos, für die Kunden hingegen nicht. Der Tarif hängt davon ab, ob sie kommerziell, nicht kommerziell, institutionell oder als Künstler-Selbstorganisation auftreten. Grosse Museen wie das MoMA New York nutzen e-flux ebenso wie die DIA Foundation oder die Manifesta. Zu den Zulieferern gehören aber auch die Art Basel, Verlage und Galeristen - darunter Hauser & Wirth aus Zürich. Die Auswahl der Informationen wird, wie die Redaktion sibyllinisch mitteilt, "gemäss den Bedürfnissen unserer Leser und Abonnenten" getroffen.
e-flux bemüht sich, sein schickes Image mit Kunstaktionen zu untermauern. Derzeit findet man auf der Homepage im kargen Technostyle das Kunstprojekt "101 Kunst-Ideen zum Selbermachen". Das witzige Projekt betreut der omnipräsente Schweizer Störkurator Hans-Ulrich Obrist. Daneben verblasst die national ausgerichtete, kommerzielle Kunstplattform swissart.net, die mit News aus dem Kunstbereich und einem zugehörigen Archiv aufwartet. Auch hier können sich die Zirkulationsagenten der Kunst Plätze sichern, auch hier kann man Banners schalten - allerdings in Verkennung der Mechanismen des Kunstbetriebs, der gerade nicht via Selbstannonce funktioniert.
Vernetzung der Forschung
H-Arthist operiert als akademische, nicht kommerzielle Kunstplattform. H-Arthist ist eine Unterabteilung des H-Net, dem derzeit grössten Onlineforum für Geistes- und Sozialwissenschaften.
H-Art funktioniert in manchem ähnlich wie eine wissenschaftliche Kunstzeitschrift, hat dieser aber das weitaus schnellere Agieren, den Gratiszugriff, die Diskussionsforen und die Koppelung an eine effiziente, übers gesamte H-Net funktionierende Suchmaschine voraus. In den Mailings wird von der Stellenausschreibung bis zu Rezensionen und akademischen Veranstaltungen sowie Suchanfragen von Forschern alles ventiliert, was die Redaktion durch ihre Filter lässt.
Die Redaktion besteht aus fünf Wissenschaftlern, die bisher dank ihr Anbindung an Institutionen wie etwa das Warburg-Institut in Hamburg noch ehrenamtlich arbeiten können, bald aber öffentliche Gelder bekommen sollen. In einem internationalen Beirat fingieren Namen von Kunsthistorikern, die zur Crème de la crème ihrer Gilde gehören, wie Hans Belting, Horst Bredekamp, Anthony Grafton, Gary Schwartz. Der akademische Anspruch tritt in den recht umfangreichen, qualifizierten Rezensionen von Ausstellungen und Büchern durch zumeist jüngere Wissenschaftler zu Tage. Hier kommen auch interessierte Laien auf ihre Kosten, sofern sie der eher trockene Stil nicht abschreckt. Die Auswahl orientiert sich stark an traditionellen kunsthistorischen Themen. Die Alternative zu H-Arthist ist das deutsche Portal Kunstgeschichte; auch wenn die Mailingliste ganz gut funktioniert und Nachrichten aus dem Kunstbereich bündelt, ist hier die redaktionelle Hand nachlässiger. In der Bannerwerbung unangenehm sichtbar: die kommerzielle Verquickung.
Nicht länger als eine
Monitorseite
Für flotte Rezensionen von Ausstellungen der Gegenwartskunst ist die Berliner Blitzreview gut. Sie wurde von Christoph Blase 1995 nach dem noch immer gültigen Prinzip Low Cost Low Budget entwickelt. Daher das spartanische, aber funktionale Design der Homepage von Max Kossatz. Eine Suchmaschine sowie ein Benachrichtungsdienst gehören zur Ausstattung. Wie der Name sagt, legen Blase und seine Mitstreiter die Besprechungen blitzartig und gratis vor. Die Länge soll eine Monitorseite nicht überschreiten. Blase wählt aus und redigiert; seine Kriterien: "Im Prinzip kann jeder schreiben, der sich verständlich ausdrücken kann. Die Inhalte sollten von aktuellem Interesse sein und möglichst aus einer subjektiven Meinungssicht gesehen werden." Das macht die Blitzreviews reizvoll.
Um die rund 80 000 Hits, die Blase etwa im Juni 2002 verzeichnete, dürfte ihn mancher kommerzielle Anbieter beneiden. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Beispielsweise bot niemand so rasch so viele Einzelkritiken von der aktuellen Documenta wie Blases Blitzdienst.
Nischen fürs Persönliche
Die Blitzreview ist eine dieser typischen, von Idealisten kultivierten Nischen im Internet. Ein Schweizer Beispiel ist der Newsletter "Marsch empfiehlt", der unter Kennern schon beinahe Kultstatus hat. Der Basler Künstler Markus Schwander stellt regelmässig eine persönliche Auswahl von Ausstellungen und neuerdings auch literarischen Veranstaltungen vor allem in der Region Nordwestschweiz zusammen, bereitet das Ganze sparsam mit ein paar typografischen Elementen auf und mailt es gratis den rund 2000 Subskribenten. "Die Anzahl der Adressaten ist seit zwei Jahren mehr oder weniger stabil. Mein Ziel ist nicht eine möglichst grosse Adressliste, sondern eine, die sich über Marsch freut", so Schwander.
Solche Projekte stellen der Anonymität des Internet das Persönliche, lokal Verankerte gegenüber. "Eigentlich versuche ich, nur Anlässe zu empfehlen, bei denen ich ernsthaft in Betracht ziehe, dass ich hingehe. Es ist mir egal, wo die Veranstaltungen stattfinden. Ich habe auch schon das Kunsthaus Zürich oder das Theater Basel empfohlen", so Schwander zu seiner Auswahl. "Ich frequentiere allerdings gerne so genannte Offspaces. Und ich unterstütze gerne neue Orte oder kurzfristige Ereignisse, weil ich weiss, dass sie interessant sind, wenn sie existieren, und nicht dann, wenn im Nachhinein ein Buch darüber erscheint. Das zeitlich Begrenzte hat einen enormen Reiz."
Auf so ein Konzept steht der Kunstbetrieb. Schwander berichtet, dass es inzwischen viele Künstler und Vermittler gebe, die auf seine Seite drängten. Gleichzeitig versuche er diese immer kürzer zu fassen, weil - anders als vor zwei Jahren - die meisten Leute viel mehr Mails empfingen und auch ungehaltener seien über die Schwemme. Dies ist das Hauptproblem aller Newsletters: Es kommt der Moment, wo selbst die spannendste Auswahl in der knallvollen Mailbox nur noch nervt. Hier hilft nur eines: Unsubscribe.
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