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Manet Manet - Zwei Bilder im Dialog. Ausstellung Courtauld Institute of Art Gallery, London 14. Oktober 2004 bis
9. Januar 2005 / Neue Pinakothek, München 20. Januar bis 10. April 2005. Katalog: James Cuno/Joachim Kaak (Hg.): Manet Manet - Zwei Bilder im
Dialog, München (Pinakothek-DuMont) 2004; 19,90 Euro.
Susanna Partsch
Die beiden Gemälde von Edouard Manet Le déjeuner von 1868 und Un bar aux
Folies-Bergère von 1881/82 besitzen einen ähnlichen Aufbau, ähnliche Maße
und wurden beide für den Pariser Salon gemalt. Aufgrund der mehrdeutigen
Darstellung haben sie die unterschiedlichsten Interpretationen erfahren,
strittig ist auch nach wie vor der Titel von Le déjeuner, lange als
Frühstück im Atelier bezeichnet. Das ältere der beiden Bilder befindet sich
heute in München, das jüngere in London.
Die Münchner Pinakothek und das Londoner Courtauld Institut of Art Gallery
wagten ein interessantes Experiment, als sie die beiden Bilder zum
Gegenstand einer Ausstellung machten. Die Gegenüberstellung wird lediglich
durch eine Ölskizze der Bar aux Folie-Bergère, Röntgenaufnahmen beider
Bilder und erläuternden Texten ergänzt. Die Betrachter werden dadurch
aufgefordert, sich wirklich mit diesen beiden Bildern auseinanderzusetzen,
es wird ihnen die Chance geboten, sich ohne Ablenkung, ohne das Gefühl,
noch viele andere Werke anschauen zu müssen, auf diese beiden Bilder zu
konzentrieren und sie miteinander zu vergleichen.
In beiden Bildern steht eine Figur im Zentrum. In Dreiviertelansicht lehnt
einmal Léon Koëlla-Lehnhoff an dem Tisch, von dem er wohl gerade
aufgestanden ist, das andere Mal steht Suzon hinter der Bar. Über den
Gesichtsausdruck beider Figuren ist ebenso gerätselt worden wie über den
Umstand, warum Manet sie gerade so dargestellt hat.
Diese und andere Fragen versuchen auch die Autoren des Kataloges zu lösen,
wobei sie zum Teil zu unterschiedlichen Antworten kommen.
James Cuno stellt in seinem Essay Manet Face to Face die Bilder in einen
Zusammenhang mit anderen Gemälden Manets, bei denen die Modelle ebenfalls
bekannt sind, jedoch immer nur als Modelle dienen, es Manet nicht darauf
ankam, die Personen selbst und ihren Charakter darzustellen. Deshalb ist es
für das Bild mit Léon Koëlla-Lehnhoff auch nicht entscheidend, in welchem
verwandtschaftlichen Verhältnis er zu Manet stand, eine Frage, die wohl nie
sicher geklärt werden wird.
John House gelingt in seiner Gegenüberstellung beider Bilder, die
Gemeinsamkeiten überzeugend darzustellen, zeigt Vorbilder und entwickelt
die interessante These, dass das ungewöhnliche Kompositionsschema beider
Bilder im Salon als Blickfang dienen sollte, Manet diese Bilder also nur
deshalb so aufgebaut hat, um bei der Vielzahl der dicht gehängten Bilder
aufzufallen. Das ist aber nur ein Aspekt unter vielen, die diese beiden
Bilder auszeichnen, die eine vielfältige Auslegung erlauben, von denen
House einige aufzeigt.
Joachim Kaak analysiert vor allem das Münchner Bild und kommt zu dem
Schluss, dass ihm eine symbolische Darstellung der Adoleszenz zugrunde
liegen könnte. Er weist aber auch darauf hin, dass diese Interpretation
nicht allumfassend ist, stellt die These auf, „dass Manet mit Le déjeuner
eine Monumentalisierung des bürgerlichen Alltags begann“ und damit in
Korrespondenz zur Sittengeschichte der Rougon-Maquart von Emile Zola trat.
Diese These - so Kaak - müsste noch gründlicher untersucht werden.
Nach dem 10. April bleibt der Ausstellungskatalog, der ein großes Publikum
an Detailfragen der Kunstgeschichte teilhaben lässt und so vielleicht dazu
beitragen kann, die Kunst selbst und nicht den Event in den Mittelpunkt zu
rücken.
Redaktion: Livia Cárdenas

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03.01.2005
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