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Sektionsberichte zum XXVIII. Deutschen Kunsthistorikertag, Bonn, 16.-20. April 2005
Sektion „Studium, Beruf und Gesellschaft“.Teil 2: Freiberufliche Kunsthistoriker und Arbeitsmark
Susanna Partsch und Matthias Quast
Der Status der Kunstgeschichte heute schließt auch die ständig wachsende Zahl freiberuflicher
KunsthistorikerInnen mit ein. Dieser Erkenntnis wurde schon vor Jahren dadurch Rechnung getragen,
dass ein Mitglied des Vorstandes des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker dazu berufen wurde, diesen
so genannten Berufsstand innerhalb des Faches und nach außen zu vertreten. Die freiberuflichen
KunsthistorikerInnen erhielten nun anlässlich des Bonner Kunsthistorikertages zum ersten Mal sogar
eine eigene Plattform innerhalb der Verbandstagung. Durch kurze Berichte aus unterschiedlichen
Perspektiven war diese Sektion bereits im Februarheft der Kunstchronik erstaunlich gut vorbereitet
worden. Die dort publizierten Texte sollten als Diskussionsgrundlage dienen und „zu einem lebendigen
Austausch“ beitragen.
Die Hoffnung, endlich einmal in größerem Stil mit anderen FreiberuflerInnen zu reden, sich
auszutauschen und Probleme zu diskutieren, war groß, ebenso die Hoffnung, sich überhaupt
untereinander kennenzulernen und damit die Gelegenheit zu erhalten, ein eigenes Netzwerk aufzubauen.
Aus demselben Grund sind wahrscheinlich auch ungewöhnlich viele FreiberuflerInnen zum
Kunsthistorikertag nach Bonn gereist.
Das endgültige Programm der Sektion machte jedoch stutzig: So wurden „Impulsreferate“ angekündigt,
die aber zum Teil von denselben Referenten stammten, welche ihre Ansichten bereits in der
Kunstchronik schriftlich dargelegt und vertreten hatten. Hier stand schon von vornherein die Frage
im Raum, ob es nicht ausreichend wäre, wenn die drei ReferentInnen, die sich noch nicht in der
Kunstchronik zu Wort gemeldet hatten, ihre Thesen vortrügen und die Sektionsleiterin die übrigen „Impulse“ zusammenfasste.
Die ersten Befürchtungen wurden jedoch übertroffen. Keine(r) der fünf ReferentInnen hielt sich an
die vorgegebenen maximal fünfzehn Minuten Redezeit. So waren die zwei Stunden Sektionsdauer schnell
vorbei - mit Impulsreferaten, von denen leider kaum neue Impulse ausgingen, weil man sie zum Teil
wörtlich in der Kunstchronik mitlesen konnte; außerdem konnten FreiberuflerInnen, die schon länger im Geschäft sind, leider keinerlei neue Erkenntnisse gewinnen. Denn sowohl die Probleme bei der
Suche nach neuen Aufträgen wie der Spagat, das Einhalten von Terminen mit den Pflichten der Familie
gegenüber unter einen Hut zu bekommen, gehören für die meisten FreiberuflerInnen zum ganz normalen
Alltag. Und dass das Know-how in einigen Berufsfeldern eine geringere Rolle spielt als die
jugendlich-elegante Erscheinung, ist ein Faktum, das es eher zu kritisieren als auch noch zu betonen
gilt.
Die sich hieran anschließende Diskussion wurde zu einem wenig hilfreichen Frage- und Antwort-Spiel.
Das hatte mehrere Gründe. Zum einen mutierten einige der auf dem Podium sitzenden ReferentInnen zu
den einzigen Experten im Saal und beantworteten mit einer abschließenden Geste auch Statements, die
gar keine Fragen waren, sondern eher eine offene Diskussion hätten befördern sollen. Zum anderen
hinderte die Atmosphäre des großen Hörsaals das Publikum daran, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Und so überraschte es auch nicht, dass sich im Anschluss an die Veranstaltung eine gewissen Lähmung
ausbreitete, die kontraproduktiv für einen weiteren Austausch war.
Eine Teilnehmerin aus dem Publikum hat sich allerdings Meriten erworben, als sie auf die Website des „Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler“ (siehe www.b-f-k.de) hinwies. Verglichen mit
den Vorträgen nahm sich ein so simpler praktischer Hinweis als echte Bereicherung aus, und es hätte
sicherlich weitere solcher Tipps gegeben, wenn es im Gespräch zu einer entsprechend offenen und
praxisorientierten Diskussion gekommen wäre, die dann auch als Grundlage für einen weiteren
Austausch gedient hätte. So aber muss man die Sektion als eine vertane Chance betrachten.
Vielleicht gelingt es uns FreiberuflerInnen, wenn schon nicht in Bonn, so doch andernorts zu einer
gemeinsamen Diskussion zu finden - zum Beispiel über das Internet; zum Beispiel durch Beitritt zum
Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler; oder zum Beispiel, indem wir innerhalb des
Verbandes eine eigene Gruppe bilden (ein anderes Forum wäre die Arbeitsgruppe „Freie Berufe“ des
Ulmer Vereins, die im Oktober 1997 für freiberufliche KunsthistorikerInnen gegründet wurde).
Trotz der erfreulichen Tatsache, dass den FreiberuflerInnen in der Februar-Ausgabe der Kunstchronik
so viel Raum gegeben wurde, bleibt mit einem gewissen Bedauern festzuhalten, dass dort eine bessere
Grundlage für die weitere Diskussion geschaffen wurde als durch die Beiträge der Bonner Sektion.
Redaktion: Matthias Bruhn

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