|
Werner Jacobsen: Die Maler von Florenz zu Beginn der Renaissance,
München/Berlin: Deutscher Kunstverlag 2001 (Italienische Forschungen, Folge
IV, Bd. 1), ISBN 3-422-06285-8, 670 S., 191 Abb., 18 Pläne, Euro 179,00. Nicolas Bock
'Prolegomena zu einer Geschichte der Renaissance-Malerei' könnte sich dieses
monumentale Werk auch nennen, ist es doch als Fragment einer hier vom Autor
immer wieder rhetorisch geforderten, größer angelegten Aufarbeitung der
Florentiner Renaissancemalerei von den Quellen her konzipiert. In sieben
Kapiteln zeichnet Jacobsen dem Leser ein detailreiches Bild von der sehr
irdischen Existenz der Florentiner Maler, d.h. von ihrer häuslichen
Verhältnissen, ihren Werkstätten und ihrer sozialen Situation. Diesen ersten
203 Seiten steht als Ausgleich der in zwei Kapitel gegliederte zweite Teil
fast gleicher Stärke gegenüber, in dem der Autor die stilistische Entwicklung
der Florentiner Malerei vom Ende des Tre- bis in die Mitte des Quattrocento
schildert und zwar (fast) ausschließlich anhand signierter und dokumentierter
Werke. Der reichlich mit Anmerkungen durchsetzte Text, der auf der 1993
abgeschlossenen Habilitationschrift des Autors basiert, wird durch einen
umfangreichen, leider nur schwarz-weißen Tafelteil mit knapp 200 Abbildungen
sowie durch 18 Pläne illustriert, die die Lage der Werkstätten und die
Wohnorte der Maler in Florenz verdeutlichen. Das Literaturverzeichnis ist nur
knappe zehn Seiten lang, da der Autor allein die wichtigsten Verweise
hineingenommen, den Rest aber in die Anmerkungen 'versenkt' hat. Es ist also
keine umfasssende Bibliographie zur Florentiner Malerei und Kultur, sondern
ein noch handhabbarer Arbeitsapparat. Ein umfangreicher, alphabetisch
geordneter Regestenteil, drei Listen (alphabetisch, nach Berufsgruppen und
eine Aufstellung der nicht berücksichtigten Maler) sowie 24 Tabellen helfen
dem Leser das Material noch weiter zu durchdringen - wobei allerdings die
teilweise Verwendung von italienischen Worten (wie vino statt Wein) der
Orientierung nicht immer zuträglich ist. Und vor allem: Kein Register - wie
konnte das geschehen ? - erschließt den Band. Es bleibt allein dem Ruf des
'tolle et lege' zu folgen, um in dem überaus materialreichen Buch an die
gewünschten Informationen zu kommen: wahrlich nicht ganz einfach, denn Text
und Anmerkungen sind dicht und mit vielen Beispielen und Details gespickt.
Die wesentliche Grundlage des Buches bilden die bislang nie systematisch
ausgewerteten Steuererklärungen des Florentiner Catasto, die seit der
Einführung dieses neuen Beurteilungssystemes im Jahre 1427 in außergewöhnlich
detaillierter Form über die Vermögens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse fast
aller Bürger Auskunft geben. Jacobsen, der bis 1458 mehr als 500 dieser
Vermögenserklärungen von Malern durchgesehen hat, verweist schon im Vorwort
auf Martin Wackernagel [1] und damit auf seinen großen Vorläufer, der in den
1930er Jahren, parallel also zu Walter Paatzens 'Kirchen von Florenz' das
soziale Umfeld der Maler erforschte. Nur knapp eine Seite widmet der Autor
hingegen anderen historischen und sozialgeschichtlichen Ansätzen der
Kunstgeschichte. Frederick Antal und Peter Burke werden kurz erwähnt, [2]
andere Forschungen hingegen zum Zusammenhang von Kunst-, Wirtschafts- und
Sozialgeschichte in einer Fußnote als nebensächlich abgetan. [3] Fälschlich
entsteht der Eindruck, daß bislang ausschließlich die Stilkritik im
Mittelpunkt des kunsthistorischen Interesses gestanden habe. Diese mangelnde
theoretische und methodische 'Verortung' hat negative Folgen für die Bewertung
der eigenen, sehr wichtigen und weitgehenden Forschungsergebnisse. Eine durch
den Eindruck der Fülle des Materials hervorgerufene Etikettierung des Werkes
als 'neopositivistisch' (so Antje Middeldorf-Kosegarten) [4] verwundert daher
nicht, trifft aber gleichzeitig den Charakter des Buches nicht ganz, enthält
es doch viele weiterführende Fragen, nicht zuletzt auch in Bezug auf die
Stilgeschichte - wahrlich kein 'positivistisches' Untersuchungsfeld. Das Buch
als reine Quellensammlung zu sehen, greift daher bei weitem zu kurz. Es ist
eher so, daß vieles, was man meinte zu wissen, nun quasi amtlich, d.h. mit
Fußnote und Quellenangabe, bestätigt wird; allerdings findet sich auch vieles
dessen, was an Vorstellungen über die Arbeitsbedigungen und den Status von
Künstlern herumgeistert, widerlegt. Hier erst wird stabiler Grund gelegt zu
weitergehenden Fragen, die im Text zwar nicht beantwortet, wohl aber gestellt
werden.
Doch wenden wir uns dem Inhalt zu. Bereits in seiner historischen Einführung
betont Jacobsen den Umbruch zwischen dem von 1393-1434 dauernden
oligarchischen Stadtregiment, das sich die vornehmsten Florentiner Familien
teilten, und der folgenden bis 1494 währenden recht exklusiven Herrschaft der
Medici. Die Verbannung von mehr als 100 Personen der alten Führungsschicht
sollte schwerwiegende Folgen für die Entwicklung der Renaissance-Malerei
haben, bedeutete dies doch auch einen abrupten Wechsel und eine starke
Dezimierung in der Auftraggeberschaft. Dies führt Jacobsen jedoch noch nicht
sogleich aus, da muß man erst 250 Seiten weiterlesen. Auch eine Diskussion, ob
etwa diese politischen Entwicklungen in Wechselwirkung mit der sich seit 1426
stark verschlechternden ökonomischen Situation der meisten Maler stehen
könnten (Kap. IV), findet nicht statt.
Im folgenden widmet er sich zunächst dem institutionellen Rahmen der
Florentiner Maler. Wenngleich von Irene Hueck für das Jahr 1298 bereits eine
Ars pictoria, nachgewiesen werden konnte, so muß bald darauf die zünftige
Organisation der Maler in der Arte dei Medici e Spezial' aufgegangen sein,
deren Strukturen Jacobsen detailliert beschreibt. Diese Zunft war jedoch weder
für alle der zehn verschiedenen Malerberufe zuständig, die Jacobsen in seinem
Buch bespricht, noch war die Wahl immer eindeutig vorgegeben: Möbelmaler
beispielsweise finden sich in der Arte dei Medici e Speziali ebenso wie in der
Arte dei Legnaiuoli. Umgekehrt erscheinen die Namen von Masaccios Schülern in
der Arte dei Legnaiuoli. Als reine Bruderschaft bestand daneben die
Lukasgilde, in der Maler aus allen Zünften zusammenkamen.
Bedingt durch berufsabhängige Proporzschlüssel in der Ämterverteilung ebenso
wie durch eine generell ökonomisch nicht überragende Position, blieben die
Maler von wichtigen Ämtern in ihrer Zunft - und damit vom höheren sozialen
Prestige - jedoch zumeist ausgeschlossen. Unter den wenigen Ausnahmen ist
besonders Nanni di Banco zu erwähnen, dessen im Vergleich zu Donatello meist
unterschätzte Bedeutung für die Entwicklung der Renaissance-Skulptur so noch
deutlicher wird. Leider bleiben jedoch Jacobsens Ergebnisse zu Florenz
isoliert, denn Vergleiche zu Perugia, Siena oder Mailand werden nicht gezogen.
[5] Eine breitere Kontextualisierung seiner Ergebnisse bleibt erst noch zu
leisten. Dennoch ist wohl wichtig festzuhalten, daß die Maler einen der
bedeutendsten Erwerbszweige der Stadt Florenz darstellten - es gab ihrer mehr
als Gastwirte und Schmiede. Florenz war damit auch wirtschaftlich ein Zentrum
der Kunst, das aus dem gesamten Umland andere Maler anzog.
Die Bedeutung der Maler läßt sich jedoch nicht nur an ihrer wirtschaftlichen
Position ablesen, wie Jacobsen zeigt. Vielmehr waren sie in einer ganzen Reihe
von wichtigen Kommissionen vertreten, in denen man sich mit prestigeträchtigen
Problemen beschäftigte (Gestalt der Domkuppel, Weiterbau des Domes) und in
denen ihre Kentnisse als Handwerker ausdrücklich gesucht wurden: Die Rolle des
arbiter elegantiarum für kommunale Angelegenheiten fiel damit nicht allein den
Auftraggebern zu! Wichtig waren die Maler auch in ihrer Funktion als
Entwerfer, welche die Vorzeichnungen zu Skulpturen (Loggia dei Lanzi,
Domfassade) und Glasfenstern zu liefern hatten. Öffentliche Aufträge der
Kommune oder der Domopera wiederum waren wichtige Mittel um zu Prestige und
Ansehen zu kommen. Zu Recht betont Jacobsen daher die Notwendigkeit, mehr über
die Zusammensetzung dieser Gremien zu wissen, da hier wichtige Entscheidungen über 'Kunstpolitik' und 'trend-setting' gefällt wurden. Nicht die Medici
jedenfalls erwiesen sich, so Jacobsen, als fortschrittlich oder modern,
sondern ihre Gegner, die Albizzi, Rucellai, Strozzi etc.
Jacobsen stellt die Frage nach dem uomo universale und zeigt, daß dieser Typus
eine Ausnahme war, ja, daß vielmehr ein hoher Spezialisierungsgrad die Regel
war. Allerdings war dies nicht erst eine Erscheinung der Renaissance, sondern
ist bereits im Mittelalter zu beobachten - hierauf verwies bereits
eindrücklich Braunfels [6] - und ist auch keinesfalls auf Maler beschränkt.
Sieht man zudem, daß der durchschnittliche Maler zudem nur eine mittelmäßige
Schulbildung besaß und eine Teilnahme an gelehrten Diskussionen nur wenigen
offenstand, begreift man schnell die Wichtigkeit, die etwa Ghibertis Atelier
nicht nur als Ausbildungsplatz, sondern als Ort der Begegenung zwischen den
Künsten und Wissenschaften zukommt.
Zwischen den Werkstätten bestand anscheinend eine große Fluktuation, so daß
schon während der Lehr- und Gesellenzeit häufiger Wechsel die Norm war.
Entsprechend flexibel und individuell wurden Löhne ausgehandelt und Personal
angestellt. Die Basis dieser Verträge war meist ausschließlich Geld und nicht,
wie häufig angenommen, Naturalleistungen. Gewachsene, enge Bindungen an wenige
stilbildende Meister kann Jacobsen aus den Quellen nicht ablesen und auch die
Dauer und Beständigkeit von Werkstattgemeinschaften war weit geringer als
bislang von der Forschung angenommen. Umgekehrt verblieben viele Maler Zeit
ihres Lebens im Gesellenstatus, auch wenn sie bereits Meister hätten werden
können, weil sie so den Reglementierungen entgingen und finanziell besser
dastanden. Hier wird das für Zuschreibungen und Museumskataloge so wichtige
Problem der Schulbildung offenbar: Mitarbeiter, Werkstatt, Umkreis und
Nachfolge entpuppen sich als höchst schwierige Begriffe, die mit der
historischen Wirklichkeit nur sehr bedingt in Einklang zu bringen sind -
Stilwahl statt Stilzwang. [7]
Diesem auf reinem Quellenstudium basierenden ersten Teil wird ein zweiter
entgegengestellt, in dem Jacobsen ausschließlich anhand datierter, signierter
oder namentlich dokumentierter Werke versucht, die stilistische Entwicklung
der Renaissancemalerei nachzuzeichnen und damit quasi die Probe aufs Exempel
seiner ersten Schlußfolgerungen zu machen. Von den im ersten Teil behandelten
ca. 330 Malern bleiben damit nur noch 50 identifizierbare übrig, 280 fallen
also weg, 15 % bleiben. Die anfangs geübte Kritik an der bisherigen
Kunstgeschichte und ihrer restriktiven Auswahl relativiert sich damit de
facto. Die Überlieferung setzt die Maßstäbe.
Die Malerei des Trecento sieht er im Schatten des 'Übervaters' Giotto, dessen
hohe Wertschätzung und bewußte Stilisierung für die weitere Entwicklung
hinderlich gewesen seien. Er unterscheidet zwischen drei Gruppen um Maso di
Banco, Taddeo Gaddi und Orcagna. Um 1382-92 erfolgte dann die Ablösung dieser
'alten' Meister durch eine zahlenmäßig sehr starke junge Generation (etwa
Lorenzo Monaco und Starnina). Die stark in sich geschlossene Welt der
Florentiner Maler erlebte dann in den 1420er Jahren einen traumatischen Wandel
(die Florentiner Malerei wurde "in ihren Grundfesten erschüttert"). Mit dem
Aufenthalt Martins V. in Florenz 1419-20 kamen internationale Größen wie
Gentile da Fabriano und Arcangelo di Cola, die mit Aufträgen überhäuft wurden.
Sie fanden keinen Neid, sondern hohe Anerkennung unter ihren Florentiner
Kollegen, denen sie die Formensprache des Weichen Stils, aber auch eine
intensive Antikenkenntnis vermittelten - und damit eine Alternative zum
'Giottismus' eröffneten. Auch eine Gruppe von iberischen Malern war zu dieser
Zeit in Florenz zu finden. In der Ghiberti-Werkstatt schließlich traf man auf
Künstler wie Ciuffagni, Donatello, Uccello, später auch Benozzo Gozzoli und
Masolino. Hier und nicht erst bei Brunelleschi sind wohl die Anfänge der
Zentralperspektive zu suchen, hier war der Treffpunkt von Intellektuellen und
Künstlern und damit die Wiege der neuen Florentiner Renaissance. Die immer
wieder faßbare besondere Bedeutung der Goldschmiede für die Entwicklung der
Kunst wäre dabei noch weiter zu thematisieren.
In der Malerei unterscheidet Jacobsen allgemein zwei Richtungen: zum einen die
'heroische', deren erste Generation mit Masaccio, seinem Schüler Andrea di
Giusto, seinem Bruder Scheggia sowie den gleichaltrigen Malern Schiavo und
Paolo Uccello seit den 1420ern tätig ist, zum anderen die 'elegante' Richtung.
Dieses Zwei-Ströme-Modell findet sich auch anderswo, so etwa bei James Beck
und Federico Zeri, dessen negative, polemische Konnotation der 'eleganten'
Richtung als 'Pseudo-Renaissance' Jacobsen zurecht ablehnt. [8] Interessant
ist dabei die Frage der Bewertung von Tradition: Ist Masaccio ein Neuerer
(Zentralpersektive) oder vielmehr ein Wiederentdecker Giottos, Traditionalist
also, der gegen die internationale Gotik opponiert?
Viele Künstler der 'heroischen' Richtung jedenfalls stammten nicht aus Florenz
oder waren bereits in jungen Jahren woanders tätig gewesen. Es handelte sich
um eine risikofreudige, mobile, aufgeschlossene Gruppe von Künstlern, die
gegen die etablierten Florentiner Künstler wie Bicci di Lorenzo einen schweren
Stand hatten. Da sie aber nicht den "Ballast handwerklicher Tradition zu
tragen" hatten, keine eingesessene Klientel mit festen Geschmacksvorstellungen
ihnen die Werke diktierte und sie jung und unverheiratet und damit von
größeren Verantwortungen frei waren, konnten sie ihren Vorstellungen
nachgehen. Dies taten sie zudem meist als Einzelgänger und ohne viele
Kooperationen einzugehen. Sie zahlten für diese Freiheit mit einer
wirtschaftlich prekären Situation. Dabei kamen erstaunlich viele dieser
'jungen Wilden' aus Notarsfamilien mit "Karriereknick", der wohl dazu führte,
daß diese Kinder (Ghiberti, Brunelleschi, Masaccio, Leonardo da Vinci) eben
nicht Notare oder ähnliches wurden. Diese Beobachtung läßt sich auch auf
führende Bildhauer und Architekten übertragen: stammte Donatello aus einem
verarmten Seitenzweig der berühmten Bankiersfamilie, so war Michelozzo der
Sohn eines sehr reichen Schneiders, Luca della Robbia kam aus einer reichen
Wollhändlerfamilie und Alberti aus einer Bankiersfamilie. Die neue Renaissance
war also ein Phänomen der gehobenen Schichten - auch unter Künstlern.
Dieser ersten Generation der 'heroischen' Maler folgte eine zweite mit Malern
wie Domenico Veneziano, Piero della Francesca oder Andrea Castagno. Ihr stand
eine 'elegante' Richtung entgegen, die mit Malern wie Fra Angelico oder
Filippo Lippi begonnen hatte und die in der zweiten Generation mit Michelino,
Benozzo Gozzoli oder Alessio Baldovinetti ihre Fortsetzung fand. Nachdem
zunächst die jungen Maler beider Richtungen kaum rezipiert worden waren, änderte sich die Situation ab den 1440ern. Ab der Jahrhundertmitte setzte sich
von dann jedoch hauptsächlich die zweite, 'elegante' Richtung durch. Die
nunmehr allgemeine Akzeptanz des neuen Stils führte dazu, daß sich bald auch
wieder große Werkstätten etablieren konnten (Botticelli, Ghirlandaio).
Die Entscheidung zu einer Geschichte der Florentiner Malerei ausschließlich
anhand signierter und dokumentierter Werke ist eine wichtige
Grundsatzentscheidung, die in dieser Konsequenz wohl einmalig ist und das
schmale positivistische Rahmengerüst der Kunstgeschichte trefflich
veranschaulicht. Fraglich ist jedoch, wie schnell aus diesem Material
Schlußfolgerungen gezogen werden können. Auch bei dieser Darstellung haben wir
es mit einer Rekonstruktion der Florentiner Renaissancemalerei zu tun, die mit
Vorsicht und unter häufigen Nachfragen zu benutzen ist und die ohne die
zugeschrieben Werke ebenfalls ein Fragment bleibt. Jacobsens Buch ist in
diesem Sinne keine vollständig neue Geschichte der Renaissancemalerei, dazu
haben vorangegangene Generationen schon zu viel und doch auch zu sorgfältig
gearbeitet. Wozu dann dieses dicke Buch, mag man sich fragen. Eben wegen der
subversiven Kraft des Faktischen, die eine 'Erdung' bewirkt. In Zukunft wird
man hier nachschauen müssen, bevor man etwas rekonstruiert, nicht um steile
Thesen zu finden, sondern um sicher zu sein. Und so hat sich das Buch fast
leise in die Forschung hiniengeschrieben, als ein Eckstein, auf den man bauen
sollte. Die bislang geäußerte Kritik zeigt insofern hauptsächlich eins: das
Buch regt zu Fragen an, es provoziert, rückt Vorurteile zurecht, bestätigt
aber auch vieles, nicht zuletzt die Einschätzung, daß die italienische
Renaissance eine bis heute folgenreiche Periode war, die zu erforschen noch
immer wichtig ist. Schon lange erschien kein Werk mehr, das dies auf so
breiter Basis fordert und zugleich ermöglicht.
Anmerkungen:
[1] Martin Wackernagel, Der Lebensraum des Künstlers in der florentinischen
Renaissance. Aufgaben und Auftraggeber, Werkstatt und Kunstmarkt, Leipzig 1938.
[2] Frederick Antal, Florentine Painting and its Social Background. The
bourgeois republic before Cosimo de' Medici advent to power: XIV and early XV
centuries, London 1947. Peter Burke. Culture and Society in Renaissance Italy,
London 1972.
[3] Durch den Abschluß der Arbeit im Jahre 1994 bleibt einiges nachzutragen,
so z.B. F.W. Kent / Patricia Simons edd., Patronage, Art and Society in
Renaissance Italy, Oxford 1987 . Eckart Marchand / Alison Wright, With or
without the Medici. Studies in Tuscan Art and Patronage 1434-1530, Cambridge
1998, und darin besonders Michelle o'Malley, Late fifteenth- and early
sixteenth-century painting contracts and the stipulated use of the painter's
hand, pp. 155-178 und Kate Lowe, Nuns and choice: artistic decision-making in
Medicean Florence, pp. 129-153. Michael Mallett / Nichoals Mann edd., Lorenzo
The Magnificent. Culture and Politics, London 1996 (Warburg Institute
Colloquia III).
Dies gilt auch für allgemeinere Ansätze wie Werner Sombart, Luxus und
Kapitalismus, München/Leipzig 1922. Shepard B. Clough, Kultur und Wirtschaft.
Der Anteil des ökonomischen Faktors am Steigen und Sinken der Kultur,
Frankfurt/Wien 1954 (Die Universität 49). Arnold Esch, Der Historiker und die
Wirtschaftsgeschichte, in: Deutsches Archiv 43 (1987), 1-27. Id.,
Kunstförderung im Italien des 15. Jahrhunderts. Fragen zwischen Geschichte und
Kunstgeschichte, Opladen 1997. Id., Überlieferungs-Chance undÜberlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in:
Historische Zeitschrift 240 (1985), 529-570. Johannes Fried, Kunst und
Kommerz. Über das Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft im Mittelalter
vornehmlich am Beispiel der Kaufleute und Handelsmessen, München 1993
(Schriften des Historischen Kollegs, Vorträge 32). Edward L. Goldberg,
Patterns of Late Medici Art Patronage, Princeton 1983. Michael North, Kunst
und Kommerz im Goldenen Zeitalter. Zur Sozialgeschichte der niederländischen
Malerei des 17. Jahrhunderts, Köln/Weimar/Wien 1992. Id.ed., Economic History
and the Arts, Köln/Weimar/Wien 1996 (Wirtschafts- und Sozialhistorische
Studien 5). Michael North/David Ormrod edd., Art Markets in Europe 1400-1800,
Aldershot 1998, 7-18. Svetlana Alpers, Rembrandt's Enterprise. The Studio and
the Market, Chicago 1988. Wolfgang Schmid, Dürer als Unternehmer. Kunst,
Humanismus und Ökonomie in Nürnberg um 1500, Trier 2003 (Beiträge zur Landes-
und Kulturgeschichte 1). The Art Market in Italy, 15th-17th centuries / Il
mercato dell'arte in Italia secc. XV-XVII, Marcello Fantoni, Louisa C.
Matthew, Sara F. Matthews-Grieco edd., Modena 2003. Nicht zuletzt auch
Ausstellungskataloge wie Meisterwerke Massenhaft, Die Bildhauerwerkstatt des
Niklaus Weckmann und die Malerei in Ulm um 1500, Kat. Stuttgart 1993.
[4] Göttingische Gelehrte Anzeigen 254 (2002), 3/4, pp. 234-247.
[5] Cf. etwa Hayden B.J. Maginnis, The World of the Early Sienese Painter,
University Park, Pennsylvania 2001. Walter Bombe, Geschichte der Peruginer
Malerei, Italienische Forschungen V, Berlin 1912, pp.. 1-16. Nachzutragen sind
Janice Shell, Pittori in Bottega. Milano nel Rinascimento, Torino 1995. Anabel
Thomas, The Painters Practice in Renaissance Tuscany, Cambridge 1995.
[6] Wolfgang Braunfels, Mittelalterliche Stadtbaukunst in der Toskana, Berlin
1953.
[7] Cf. neuerdings etwa Ulrich Pfisterer, Donatello und die Entdeckung der
Stile 1430-1445, München 2002 (Römische Studien der Bibliotheca Hertziana
XVII). Wichtig erscheinen hingegen die Malerfreundschaften (p. 98), die sich
u.a. durch Bürgschaften auch dokumentarisch fassen lassen, die hier aber nicht
ausgewertet werden.
[8] Federico Zeri, Rinascimento e Pseudo-Rinascimento, in: Storia dell'arte
italiana, II,1 Dal Medioevo al Quattrocento, Turin 1983, pp. 545-572. James
Beck, Italian Renaissance Painting, New York 1981.
Redaktion: Rainer Donand

Copyright for all reviews © 2004 by H-ArtHist (H-NET) and the author, all
rights reserved. Works may be copied for non-profit educational use if proper
credit is given to the author and the list. For other permission please contact hah-redaktion@h-net.msu.edu.
21-feb-05
|
 |