| María Ocón Fernández:
Ornament und Moderne. Theoriebildung und
Ornamentdebatte im deutschen Architekturdiskurs (1850-1930).
Berlin:
Reimer 2004. 422 S. mit 71 schwarzweißen Abbildungen im Text; ISBN 3-496-01284–6, 59 €
Hans Georg Hiller von Gaertringen
In ihrer eindrucksvollen Studie „Ornament und Moderne“ beschäftigt sich
die spanische Kunsthistorikerin Maria Ocón Fernández mit der Bedeutung des
Ornaments für die Genese der modernen Architektur in Mitteleuropa. Ziel
ihrer Arbeit ist es nach eigener Aussage, „das Ornament als
Verbindungsgelenk zwischen der vorangegangenen Phase des Historismus und
der beginnenden Moderne zu deuten.“ (S. 10). Der Beginn der Moderne wäre
demzufolge nicht - wie häufig behauptet - gleichbedeutend mit dem Verzicht
auf das Ornament, sondern das Ornament vielmehr ein konstitutives Element
der frühen Moderne.
Die Arbeit gliedert sich in zwei große Teile, wobei die Argumentation in
der Chronologie rückwärts geht. Der erste, rezeptionsgeschichtliche Teil
legt dar, wie die Ausschließung des Ornaments aus der Architektur der
Moderne in späteren wissenschaftlichen Abhandlungen der zwanziger und
dreißiger Jahre gerechtfertigt wurde. Der zweite, diskursanalytische Teil
sucht den Weg bis zu dieser Ausschließung anhand der öffentlichen Debatten
um das Ornament seit 1850 nachzuzeichnen.
Die beeindruckendste Leistung des Buches liegt darin, dass es dem Leser
bewusst macht, welch riesiger Quellenbestand in der Frage des Ornaments
seit der Mitte des 19. Jahrhunderts produziert wurde. Es ist deshalb nur
folgerichtig, dass Ocón Fernández erst ganz zum Schluss ihrer Arbeit auf
Adolf Loos und seinen 1908 verfassten, aber erst 1929 in deutscher Sprache
gedruckten Vortrag „Ornament und Verbrechen“ zu sprechen kommt. Sie trägt
damit dem Umstand Rechnung, dass der Text die Debatte eher abschließt als
eröffnet. Der Leser wird mit einer Unzahl von früheren Positionen vertraut
gemacht, um mit der Frage zu enden, warum das Neue Bauen ganz auf das
Ornament verzichten zu müssen glaubte.
Schon im ersten, rezeptionsgeschichtlichen Teil kommt eine der wichtigsten
Thesen der Arbeit zum Tragen: Nach Ocón Fernández waren die Verdammung des
Ornaments und seine alleinige Assoziierung mit dem Historismus eine
Konstruktion der Vertreter der architektonischen Moderne, um die im 19.
Jahrhundert verlorengegangene Stellung der Architektur als Leitgattung
wieder zu festigen. Das gleichsam „gattungsentgrenzende“ und in diesem
Sinne auch demokratisierende Ornament, das sich gerade im Jugendstil als
das Medium der Reform etabliert hatte, sei der Vormachtstellung der
Architektur gleichsam gefährlich geworden. Die Tatsache, dass es die
dekorativen Künste gewesen seien, die den Anstoß für die moderne Bewegung
gegeben hätten, hätte infolgedessen ausgeblendet werden müssen. Statt also
weiterhin im Ornament das Vehikel der Erneuerung zu sehen, sei es seit
Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend verteufelt und die Technik statt
seiner zum Leitbild erhoben worden. Um diese These zu untermauern,
untersucht die Autorin zunächst ausführlich die frühe Historiographie der
architektonischen Moderne, sodann weitaus kürzer die Historiographie des
Ornaments.
Die Geschichtsschreibung zur modernen Architektur kennzeichnet sie als
eine „Historiographie der Ausschließung“. Von dieser „Ausschließung“ sind
- so die These - nicht nur das Ornament betroffen, sondern auch jeder
Versuch, die Hochschätzung des Kunstgewerbes als „hohe“ Kunstgattung , wie
sie im Historismus, v.a. aber im Jugendstil gepflegt wurde, beizubehalten.
Diesen Ausschließungprozess zeichnet sie anhand der frühen
Gesamtdarstellungen der modernen Architektur von Gustav Adolf Platz
(1927), Wolfgang Herrmann (1933), Fritz Schumacher (1935) und Nikolaus
Pevsner (1936) nach, blendet aber auch die Architekturgeschichtsschreibung
des „Dritten Reiches“ mit Paul Schmitthenner (1934) oder Gerdy Troost
(1938) nicht aus. Um die fiktionalen Anteile all dieser Werke zu betonen,
spricht sie von der „Erzählung von Moderne“ und - begrifflich zumindest
gewöhnungsbedürftig - von „Architekturschreibung“ (statt von
Architekturgeschichtsschreibung). Allen genannten Autoren gemeinsam ist
die prinzipielle Ablehnung des historistischen, aber auch des
Jugendstil-Ornaments. Der völlige Verzicht auf das Ornament gilt ihnen -
wie auch der späteren Forschung bis hin zu Heinrich Klotz - als das
prägendste Merkmal der Moderne. Zu Recht weist Ocón Fernández auf das
Paradoxon hin, dass einerseits als Reaktion auf das historistische „Maschinenornament“ Kunst und Gewerbe streng voneinander getrennt werden
sollten, man andererseits aber in der Architektur nach einer
Zusammenführung von Baukunst und Industrie strebte. Eigentliches Anliegen
der Verfasserin ist es aber, die stets wiederkehrenden Polaritäten bei der
Beschreibung der einzelnen Epochen zu identifizieren: Tradition und
Moderne, Kunst und Technik, Kunst und Zweck, Ornament und Architektur, und
aufzuzeigen, wie sehr die Texte zur Entstehung und Entwicklung der
modernen Architektur einer narrativen Logik mit Eröffnungsmotiven, Überleitungen und auch Schlußakkorden gehorchen.
Das zweite Kapitel des ersten Teils, in dem Ocón Fernández sich mit der
Stellung der Moderne in der Ornamentforschung befasst, erscheint weniger
ergiebig als der überaus erhellende Auftakt. Die Historiographie des
Ornaments setzte erst sehr viel später ein als die das Ornament stets nur
als Negativfolie benutzende Architekturgeschichtsschreibung der Moderne.
Erst mit dem Beginn der Postmoderne wurde das Ornament überhaupt wieder
zum Forschungsgegenstand. Ocon geht nur äußerst kurz auf die Thesen
Michael Müllers, Ernst Gombrichs, Frank-Lothar Krolls, Werner Oechslins,
Giovanni Fanelli/Roberto Gargianis und Karin Harathers [1] ein, hier hätte
man sich etwas weniger Eile und etwas mehr Stellungnahme gewünscht. Die
drei letztgenannten werden verwirrenderweise unter der Überschrift „Die
US-amerikanische Ornamentforschung“ referiert, ebenso wie die hier
tatsächlich einzuordnenden Arbeiten von Mary McLeod [2] und Mark Wigley
[3]. Leider verunklären die Zwischenüberschriften die Argumentation hier -
wie auch an einigen weiteren Stellen - mehr als sie zu gliedern. Des
weiteren ist zu bedauern, dass die beiden jüngsten Beiträge zum Ornament
in der Moderne (von Jörg H. Gleiter und Debra Schafter) von der Autorin
nicht mehr berücksichtigt werden konnten. [4]
Das eigentliche Zentrum der Argumentation bildet aber der weitaus
umfangreichere zweite Teil der Arbeit, in dem vermittels einer
philologisch argumentierenden „Diskursanalyse“ die Ornamentdebatte
zwischen 1850 und 1930 in ihren wesentlichen Stimmen und Facetten
rekonstruiert werden soll. Die These lautet, dass die Theoriebildung der
architektonischen Moderne sich in mehreren Abgrenzungsprozessen vollzieht.
Das Buch stellt also die Frage: Was wird aufgenommen, was wird ausgeschlossen?
Die Ornamentdebatte teilt die Autorin überzeugend in drei zeitliche Phasen
ein, die sie begrifflich mit drei verschiedenen Erscheinungsformen des
Ornaments in Beziehung setzt: dem historistischen, dem modernen Ornament
(= dem Ornament des Jugendstils) sowie dem „Ornament der Klassik“.Zunächst rollt sie im Abschnitt zum historistischen Ornament die Debatte
um das „Maschinenornament“ noch einmal auf. Der sich in den Jahren nach
1850 vollziehenden Trennung von Kunstform und Werkform sowie zwischen
modernem Produkt und historischer Verzierung suchte man schon bald
entgegenzutreten. So referiert sie die Entwicklung der „Vorbilderbewegung“, die die Schulung des Geschmacks an (historischer)
Qualität propagierte und des Naturalismus, der die Natur mit all ihren
Zufälligkeiten als Vorbild empfahl. Allen Reformersuchen gemeinsam war die
grundlegende Ablehnung des Maschinenornaments. Das künstlerische, also
nicht massenproduzierte Ornament dagegen wurde mehr und mehr aufgewertet
und nach und nach zum eigentlichen Vehikel der Reform. Ocón Fernández
zeichnet mit großer Genauigkeit diesen Weg nach, und sie tut es anhand der
sich wandelnden Attribute, mit denen man das Ornament versah. Die
Bemühungen, das künstlerische Ornament neu zu definieren, begannen mit
Karl Bötticher und Gottfried Semper, die dem Ornament übereinstimmend die
Rolle des „Kunstsymbols“ zuerkannten, welches „die nackte Form mit einer
erklärenden Symbolik“[5] umkleiden solle. Auch Kunstgewerbler, so etwa
1883 der spätere Direktor des Österreichischen Museums für Kunst und
Industrie, Jakob von Falke, sahen gerade im Ornament das wahre
Betätigungsfeld für den Künstler. Von Falke schrieb 1883, das Ornament sei
die freieste künstlerische Aufgabe. Einschränkend fügte er allerdings
hinzu, dass es dennoch nicht losgelöst von dem Gegenstand, den es
verziere, gedacht werden könne. Ocón Fernández legt offen, dass diese hohe
Stellung des Ornaments selbst denen, die sie wie von Falke propagierten,
nicht immer ganz geheuer war, widersprach sie doch zu stark der seit
Alberti überkommenen Definition des Ornaments, der geschrieben hatte, das
Ornament sei „gleichsam ein die Schönheit unterstützender Schimmer und
etwa deren Ergänzung.“[6] Und so geht die zunehmende Aufwertung des
künstlerischen Ornaments von Anfang an einher mit dem gegenläufigen
Versuch, es wieder ganz auf eine dienende Rolle festzulegen. Dieser
letztere Ansatz gewann in den Jahren um 1900 zunehmend an Einfluss und
auch der Jugendstil vermochte an der Kritik des Ornaments wenig zu
verändern, obwohl es - so die Autorin - dem Ornament hier gelungen sei,
als unfreie Kunst die beiden ebenfalls unfreien Künste Kunsthandwerk und
Architektur auf die Ebene freier Kunst zu heben.
Im nun folgenden zweiten Abschnitt der Diskursanalyse zum „modernen
Ornament“ widmet sie sich genauer der Rolle des Kunstgewerbes als Motor
der künstlerischen Reform zur Zeit des Jugendstils. Als besonders positiv
wertet sie dabei die Enthierarchisierung der Künste, die das im Jugendstil
gattungsübergreifende und gattungsverbindende Ornament gebracht habe.
Ausführlich referiert sie die theoretische Grundlegung dieser
Enthierarchisierung durch Alois Riegl und Wilhelm Worringer.
Die in Theorie und Praxis zu beobachtende Aufwertung des Kunstgewerbes und
seine Gleichstellung mit den anderen Künsten wird jedoch schon bald
kritisiert. Die Autorin zieht als Beispiel dafür Karl Schefflers Aufsatz „Das Ornamentale“ von 1906 heran, der die zunehmende Aufwertung des
Ornaments kritisierte, weil dieses nicht in der Lage sei, „Empfindungen
einer höheren Art“[7] darzustellen. Ocón Fernández stellt dem im folgenden
die Begriffe der „Gemütslinie“ und der „mitteilenden Linie“ des
Jugendstils entgegen und deutet sie als Versuch, das Ornament als „geistig
und intellektuell“ zu definieren. Dieser Neudefinition ist aber letztlich
kein Erfolg beschieden, zu stark war und blieb die Assoziierung des
Ornaments mit dem Historismus. Auch der Versuch van de Veldes, gerade mit
Hilfe eines linienhaften Ornaments die Entwertung der Architektur zum
reinen Ingenieurbau zu überwinden, mißlingt. Theoretiker wie Scheffler
vermögen in der Hochschätzung des Ornaments nur die Krise der Architektur
abzulesen, welche wieder „Ordnungsmacht“ werden müsse. Ohne dass Ocón
Fernández dies explizit aussprechen würde, gelingt es ihr in diesem
Zusammenhang, die Moderne, die Scheffler herbeizuschreiben wünscht, als
eine reichlich konservative und patriarchale Angelegenheit erscheinen zu
lassen.
Den dritten Abschnitt ihrer Analyse der Ornamentformen widmet Ocón
Fernández in begrifflich problematischer Anlehnung an Adolf Loos dem „Ornament der Klassik“ (Loos spricht in seinem 1924 erschienenen Aufsatz „Ornament und Erziehung“ lediglich vom „klassischen Ornament“[8].) Hier
widmet sie sich ausführlich der seit etwa 1890 intensiv geführten
Diskussion, wie die Architektur trotz des neuen Ideals des Funktionalismus
ihren Anspruch, eine freie und keine angewandte Kunst zu sein,
aufrechterhalten könne. Prämisse dieser Debatte war der vielfach geäußerte
Anspruch, dass die Architektur wieder die verlorene Rolle der Leitgattung
unter den Künsten einnehmen müsse. Als probaten Ausweg aus der allgemein
konstatierten Krise der Architektur sah etwa August Schmarsow 1893 eine „Ästhetik von innen“, eine, wie Ocón Fernández nicht ohne Genugtuung
registriert, ursprünglich aus dem Kunstgewerbe stammende Forderung.
Während dort schon weitaus früher das Vorbild der Technik akzeptiert
worden sei, sei dies im Bereich der Architektur nur sehr zögerlich
aufgenommen worden, weil man eben durch eine zu starke Betonung der
Technik die Stellung der Architektur gefährdet sah. Der Architekt sollte
eben weder reiner Dekorateur noch reiner Techniker sein. Letztlich sei
dieser Konflikt nicht gelöst, sondern zunehmend zwanghaft „auf den
geistigen Anspruch der Architektur sowie auf die Nacktheit der Kernform“
verwiesen worden, als sich die erhoffte Erneuerung bis zum Beginn des 1.
Weltkriegs noch immer nicht eingestellt hatte. In dem Abschnitt zu den
zwanziger Jahren kommt Ocón Fernández nochmals auf ihre These zurück,
wonach das Kunstgewerbe der eigentliche Ausgangspunkt der Reform gewesen
sei. Gerade in diesem Abschnitt zum „Ornament der Klassik“ ist es für den
Leser allerdings keineswegs leicht, angesichts des vielstimmigen Chors von
Meinungen den Überblick zu behalten. Der an sich große Verdienst der
Arbeit, als Ergebnis ungeheurer Belesenheit auch weniger bekannte Autoren
zu Wort kommen zu lassen, läßt den Leser zuweilen etwas orientierungslos
zurück, gerade da auf jegliche biographische Einordnung der Protagonisten
verzichtet wird. Leider wird auch wiederholt ohne namentliche Nennung des
Sprechers zitiert, so dass man für die Information, wer spricht, auf die
Endnoten angewiesen ist. In diesem Zusammenhang ist auch der Verzicht auf
ein Personenregister bedauerlich.
Das kurze letzte Kapitel der „Diskursanalyse“, in dem Ocón Fernández der
Frage nachgeht, warum das Ornament auch in den zwanziger Jahren dauerhaft
ausgeschlossen blieb, also zu einer Zeit, als das Feindbild des
Historismus schon ausreichend lange zurücklag und das Ornament durchaus
hätte rehabilitiert werden können. Um die andauernde Ablehnung des
Ornaments zu legitimieren, wird es v.a. von Loos, aber auch von anderen
Theoretikern seiner Zeit mit verschiedenen Attributen versehen und
symbolisch aufgeladen: es gilt als feminin, primitiv und schließlich gar
als verbrecherisch. Die Charakterisierung des kunstgewerblichen Ornaments
als „weiblich“ und damit als modisch, sinnlich und wechselhaft betont Loos
gerade in seiner späten, häufig als Revision seiner ursprünglichen Thesen
missverstandenen Schrift „Ornament und Erziehung“ (1924). Die
Verunglimpfung des Ornaments als „uneuropäisch“, wie sie etwa von Heinrich
Tessenow vollzogen wird, deutet Ocón Fernández als Versuch, den Diskurs
wieder auf Europa zu zentrieren und aus der modernen Architektur alle
fremden Einflüsse, die der Jugendstil zugelassen hatte, wieder
auszuschalten. Erst jetzt kommt sie explizit auf die im allgemeinen zuerst
genannte Schrift zu sprechen, wenn von der Verdrängung des Ornaments in
der Moderne gesprochen wird. Loos’ Schrift „Ornament und Verbrechen“ führt
sie - allerdings in Anlehnung an Bemerkungen dazu bei Eva B. Ottilinger
[9] und Stephan Oettermann [10] - nicht zuletzt auf dessen Lektüre von
Cesare Lombrosos kriminologischen Theorien zurück und macht so die
Zeitgebundenheit dieses vermeintlich überzeitlichen Manifests deutlich.
Etwas unentschlossen mutet lediglich das Schlusswort an, in dem Ocón
Fernández sowohl den amerikanischen Ornamentforscher Mark Wigley (1995)
als auch den Architekturhistoriker Adolf Göller (1887) zitiert, die
gleichermaßen auf der Unmöglichkeit beharren, das Ornament dauerhaft aus
der Architektur auszuschließen. Als Fazit einer so überaus belesenen und
den riesigen Quellenbestand in weiten Teilen souverän durchdringenden
Studie hätte man sich vielleicht noch einen etwas eigenständigeren
Abschluss gewünscht. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die
Autorin durch eine bewundernswert systematische Aufarbeitung von fast
allem, was zwischen 1850 und 1933 in deutscher Sprache zum Ornament
geschrieben wurde, die Forschung zum Thema auf eine ganz neue Ebene
gehoben hat.
[1] Michael Müller, Die Verdrängung des Ornaments. Zum Verhältnis von
Architektur und Lebenspraxis. Frankfurt/M. 1977; Ernst H. Gombrich, The
Sense of Order. London 1979; Frank Lothar Kroll, Das Ornament in der
Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts. Hildesheim/Zürich/New York 1987; Werner
Oechslin, Stilhülse und Kern; Giovanni Fanelli/Roberto Gargiani: Il
principio del rivestimento. Prolegomena a una storia dell’architettura
contemporanea. Rom/Bari 1994; Otto Wagner, Adolf Loos und der evolutionäre
Weg zu moderner Architektur. Zürich/Berlin 1994; Karin Harather,
Haus-Kleider. Zum Phänomen der Bekleidung in der Architektur.
Wien/Köln/Weimar 1995.
[2] Mary McLeod, Undressing Architecture: Fashion, Gender and Modernity.
In: Deborah Fausch/Paulette Singley et al. (Hrsg.), Architecture in
Fashion. New York 1994, S. 38-123.
[3] Mark Wigley, White walls, designer dresses. The fashioning of modern
architecture. Cambridge (Massachusetts) 1995.
[4] Jörg H. Gleiter, Rückkehr des Verdrängten: zur kritischen Theorie des
Ornaments in der architektonischen Moderne. Weimar 2002; Debra Schafter,
The order of ornament, the structure of style. Theoretical foundations of
modern art and architecture. Cambridge 2003. Vor allem die Arbeit von
Schafter weist einige Parallelen zu Ocón Fernández’ Argumentation auf. Die
amerikanische Kunsthistorikerin untersucht die Interdependenzen zwischen
den Ornamentdefinitionen Ruskins, Owen Jones’, Sempers und Riegls und den
damals aktuellen Theoriemodellen in der Botanik, Linguistik und
Psychologie. Ihr Hauptinteresse gilt dabei der Tatsache, dass im Rahmen
der Suche nach einem neuen, umfassenden Stil das Ornament am Ende des 19.
Jahrhunderts zu einem zentralen Forschungsgegenstand wurde, da man es als
reinste Verkörperung von Stil betrachtete. In diesem Sinne deutet sie - ähnlich wie Ocón Fernández - den Ornamentdiskurs als das Feld, innerhalb
dessen einige zentrale Fragen der Moderne zuerst diskutiert wurden.
[5] Gottfried Semper: Über die formelle Gesetzmäßigkeit des Schmuckes und
dessen Bedeutung als Kunstsymbol. In: Monatsschrift des Wissenschaftlichen
Vereins in Zürich, Akademische Vorträge 1, Heft 3, 1856. Wiederabgedruckt
in: Hans Semper/Manfred Semper (Hrsg.): Gottfried Semper. Kleine
Schriften. Berlin/Stuttgart 1884, S. 323 f.
[6] Hier zit. nach Ocón Fernandez, S. 154
[7] Karl Scheffler, Das Ornamentale. In: Die Neue Rundschau 2 (1907), S.
897-911.
[8] Adolf Loos: Ornament und Erziehung. Hier zit. nach: Ders.: Trotzdem.
Innsbruck 1931, S. 198-205. Die für den Zusammenhang entscheidende Stelle
lautet: „Der klassische unterricht hat trotz der verschiedenheit der
sprachen und grenzen die gemeinsamkeit der abendländischen kultur
geschaffen. Ihn aufzugeben, hieße diese letzte Gemeinsamkeit zerstören.
Daher ist nicht nur das klassische ornament zu pflegen, sondern man
beschäftige sich auch mit den säulenordnungen und profilierungen.“ Ebenda,
S. 203 f.
[9] Eva B. Ottilinger, Adolf Loos. Wohnungskonzepte und Möbelentwürfe.
Salzburg/Wien 1994, S. 168.
[10] Stephan Oettermann, Zeichen auf der Haut. Die Geschichte der
Tätowierung in Europa. 2. Auflage Hamburg 1994 [1985], S. 62ff.
Redaktion: Claudia Sedlarz

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