Rossella Froissart Pezone: L‘art dans tout - Les arts décoratifs en France et l‘utopie d‘un art nouveau, Paris: CNRS éditions, 2004, 266 S., 37 Abb. ISBN 2-271-06281-0, 29 EUR. (Eine deutsche Fassung dieser Rezension finden Sie nach der frz. Version.) L‘ouvrage de Rossella Froissart Pezone met en question la connaissance de l‘Art Nouveau tel qu‘elle est notoire aujourd‘hui. Effectivement, des grands noms médiatisés (un Guimard ou un Gaudi) s‘attirent plutôt des connotations péjoratives regroupées sous l‘appellation « kitsch ». Le groupe dont cet ouvrage traite, se rassemble autour de 1900, et évolue sous différentes appellations : les « Cinq », les « Six », et enfin « L‘Art dans Tout ». Ils sont tous hétérogènes et disparates, sans manifeste clair et pourtant représentatifs de leur époque qui tend vers une unification des arts. Rossella Froissart Pezone éclaircit plus précisément le contexte historique, nationaliste et social, engendrant l‘union des arts. C‘est effectivement la seconde moitié du 19ème siècle qui ouvre les voies à la réévaluation des arts mineurs. Le rôle de « l‘artiste industriel » y est primordial, car étant proche des utopies socialistes régnant à la fin du 19ème siècle, il établit un lien direct entre habitation et condition de vie de l‘habitant. Uniquement après avoir acquis un statut social et indispensable à la vie d‘une nouvelle société, les arts mineurs constituent le centre d‘intérêt des artistes. Parmi des avant-gardistes, le groupe L‘Art dans Tout décide à partir de 1896 d‘exploiter l‘intérieur habitable, de se consacrer à son organisation, son ameublement et à son décor. En contrepartie de ces aspects novateurs, Rossella Froissart Pezone insiste sur les difficultés issues de la hiérarchie des arts qui mènera à la dissolution de L‘Art dans Tout. En conséquence, elle souligne que l‘industrie continue à ignorer le groupe, et qu‘une reconnaissance des arts appliqués devient impossible quand la Société des artistes décorateurs réhabilite l‘idée autonomiste d‘un Salon exclusivement dédié aux arts décoratifs. Sa conclusion insiste malgré tout sur le rôle de L‘Art dans Tout, qui tombe dans l‘oublie jusqu‘aux années 1920. Ainsi, Rossella Froissart Pezone attribue la redécouverte du groupe et son appréciation actuel au Rationalisme qui cherche ses racines. Untersucht wird eine Künstlergruppe, die sich um 1896 vereinte und unter verschiedenen Namen, zunächst nach der wechselnden Anzahl der Mitglieder, als “Cinq“(‘Fünf‘), dann als “Six“(‘Sechs‘) und schließlich unter dem Namen “L‘Art dans tout“ (‘Die Kunst in Allem‘) auftrat. Die Gruppe war - sowohl was Mitgliedschaften, als auch was ihr Programm anbetraf - sehr heterogen, dennoch bleibt sie auch ohne ein entsprechendes Manifest repräsentativ für eine Epoche, die die verschiedenen Gattungen der Künste vereinen wollte. Rossella Froissart Pezone konzentriert sich besonders auf die Untersuchung des historischen, nationalen und sozialen Kontextes dieser Vereinigung. Sie zeigt, wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Weg für die Wertschätzung der” arts mineurs“ (die “niederen Künste“, die eigentlich dem Handwerk entsprechen) frei wurde. Eine Schlüsselrolle nahm hier der “artiste industriel“ (der “industrielle Künstler“, der für die Industrie arbeitet - eigentlich eine Art Designer) ein. Diese standen oft den sozialistischen Utopien des 19. Jahrhunderts sehr nahe und arbeiteten an Konzepten zu einer neuer Gestaltung des Wohnraums, der auch die Wohnkonditionen verbessern sollte. Erst nachdem die “art mineurs“ ihren sozialen Status in der neuen Gesellschaft errungen hatten, haben sie auch das Interesse weiterer Künstlerkreise geweckt. Die Künstlergruppe “L‘Art dans tout“ gehört zu diesen Avantgardisten, und wendet sich ab 1896 der Gestaltung des Gebäudeinnenraums zu. Dieser sollte neu organisiert, neue Möbelstücke und neue Dekoration sollten geschaffen werden. Im ersten Kapitel des Buchs werden die “arts mineurs“ definiert. Die Kunsthistorikerin insistiert auf der Wichtigkeit des Zusammenspiels von Traditionen, und der Veränderung von gesellschaftlichen Modellen, welche letztendlich zum Zusammenschluss der Gruppe führten. Das formale Programm von “L‘art dans tout“ war durch die Charakteristika Leere, Klarheit und Exotismus geprägt. Abgesehen vom bereits etablierten Exotismus waren diese Attribute für die Pariser Künstler neu, denn der Jugendstil definierte sich bis dahin über seinen dekorativen Inhalt, der die Leere ausfüllen sollte - als Beispiel könnte man die Plakate von Mucha anführen. Rosella Froissart Pezone geht, was ein vergleichbares Programm von Klarheit und Leere betrifft, auch auf die ‘Universelle Ausstellung‘ (1873) in Wien ein. Die französische Szene rezipierte die österreichische Bewegung zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum. Paris war im Vergleich zu Wien also in Verzug. “L‘Art dans tout“ strebte eine übergreifende Gestaltung des Wohnraums im Sinne eines Gesamtkunstwerks an. Im 3. Kapitel stellt Froissart Pezone einzelne Projekte von „L‘Art dans tout“ vor: Der “Wohnraum nach Mass“ von Charles Plumet und Tony Selmersheim fällt in den Zeitraum, während dessen Plumet und Selmersheim für “L‘Art dans tout“ tätig waren. Sie besaßen eine Firma, die 1895 gegründet, und 1904 aufgelöst wurde. In Zusammenarbeit führten sie Möbeleinrichtungen aus. Von ausgeführten Objekten sind nur einige Objekte aus Eisen (Schlösser und Lampen) überliefert. Lediglich einige Ausstellungen von “L‘art dans tout“ belegen die Wichtigkeit von Plumet und Selmersheim. So ziehen die Mitglieder von “L‘Art dans tout“ unter dem Einfluss von Plumet und Selmersheim europäisches Holz dem exotischen vor und benutzten eine klare Farbpalette. Die Basis der Recherchen von Froissart Pezone sind die Dokumentationen der sechs Ausstellungen der Künstlergruppe, einige Artikel und die Korrespondenz zwischen den Künstlern. Die Zugehörigkeit einzelner Künstler zur Gruppe läßt sich oft nicht genau datieren. Das vierte Kapitel behandelt nochmals detaillierter die Möbelentwürfe: Der Innenraum wird von der Gruppe funktionell gedacht, die Möbel sollen veränderbar und für mehrere Funktionen geeignet sein. Gleichzeitig spiegeln sie ihre Epoche, indem sie symbolistische und naturalistische Details aufweisen. Abschließend hebt Froissart Pezone die Schwierigkeiten, die sich aus der Hierarchisierung der Künste ergaben, hervor. ‘L‘art dans tout‘ mußte sich auflösen, da die Gruppe von der Industrie ignoriert wurde. Ein Aufhänger war hierbei der Status der Architektur, der die anderen Künste zu dominieren scheint. Auch wird die Anerkennung der niederen Künste schwierig, als sich die “Société des artistes décorateurs“ entschließt, sie nicht in den Salon miteinzubeziehen, sondern einen autonomen Salon für dekorative Künste zu gründen. Seit Beginn der 1880er Jahre war man gegen diesen Salon gewesen, da seine Jury die aus Malern, Bildhauern und Architekten bestand, die Arbeiten auf den Rang von ornamentalem Schmuck herabsetzte. ‘L‘Art dans tout‘ geriet dann bis in die zwanziger Jahre in Vergessenheit, und wurde erst durch den architektonischen Rationalismus, der funktionelle Architektur propagierte wiederentdeckt. Die Studie stellt erstmals die relativ kleine Gruppierung ‘L‘Art dans tout‘ vor und kontextualisiert sie in der Jugendstil-Bewegung. Die Wichtigkeit der Gruppe, die eine programmatische Vereinigung der Künste anstrebte, für den Pariser Jugendstil wird gezeigt.
Redaktion: Claudia Sedlarz
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